Schwarz-rot-geil?

27Jun08

Die deutschen Feiern als Pogrom
Massive Schlägereien in allen größeren deutschen Städten, rechtsradikale Übergriffe, Zerstörungen von türkischen Imbissen in Dresden – doch für den Fan ist das egal – Fahne, Mütze und Trikot machen klar: Wir sind alle schwarz-rot-geil! Und wer das nicht so sieht, soll sich verpissen, ist schließlich sowieso kein richtiger Deutscher. Während die grölenden Massen – ob zu Fuß oder hupend im Auto – fahnenschwenkend durch die Städte zogen, konstituierte sich die totale deutsche Feiergemeinschaft. Fast alle wollten sowieso dazugehören, wer im Angesicht von „Masse“ und ihrer „Macht“ und deutschen Erinnerungen im verschwitzten Mob der gesichtsbemalten Sauftrupps nicht aufgehen wollte, blieb besser gleich zu Hause. Und diejenigen, die im Taumel deutscher Massenaufläufe nicht entspannen können, wissen warum: Unter anderem in Berlin, Köln, Hannover, Dresden, Leipzig, Chemnitz und Bautzen, aber auch in Halle kam es zu Übergriffen von Deutschlandfans.

Teilweise waren Rechtsradikale und Hooligans tonangebend, wie in Dresden, wo mehrere türkische Imbisse von teilweise vermummten Angreifern systematisch nach dem Spiel angegriffen, ihre Einrichtung zerstört und ihre Betreiber geschlagen wurden, während an die hundert „normale“ Fan-Prollos danebenstanden und sich am Schauspiel erfreuten. Meistens waren es jedoch „ganz normale Jungs“, die, in Gemeinschaft stark, mal so richtig die Sau rauslassen wollten und ihrer Aggressivität zumeist gegen Sachen und verbal freien Lauf ließen. Polizisten in Halle sprachen von über hundert Einsätzen nach dem Spiel.Es ist nicht nur der komische Beigeschmack, den „Deutschland, Deutschland“-brüllende Mobs und fahnenschwenkende Massen mit sich bringen. „Ist doch Sport und ganz normal“, werden viele hier anbringen. Doch das, was offensichtlich eine spezifisch deutsche Gruppendynamik ist, was in anderen Ländern nicht in diesen Maßen der Fall ist, die Pogromstimmung, die ein Deutschlandspiel mit sich bringt, welche anders-feiernde und anders-aussehende Menschen verängstigt, lässt nur eine Aussage zu:
You can’t relax in Deutschland!

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10 Responses to “Schwarz-rot-geil?”

  1. 1 fatih terim-supporter

    Aus den Nachrichten (SZ, dpa, ap, Polizeiberichte):

    Im Dresdener Szeneviertel Neustadt griff eine Gruppe von etwa 100 Krawallmachern drei Dönerläden an. Zwanzig Personen wurden verletzt, türkische Flaggen angezündet.
    In Chemnitz griffen Fußballfans Polizisten an. Sechs Beamte wurden verletzt, drei Polizeiautos und zwei Busse beschädigt.
    In Leipzig gab es mehrere Schlägereien.
    In Bautzen attackierten 200 Randalierer Polizisten und warfen Bierflaschen auf
    Polizeiautos.
    In Eilenburg wurden 40 Platzverweise erteilt.
    Auch in Köln und Hannover schritt die Polizei gegen dutzende Fußballfans ein, die volksverhetzende Parolen skandiert hatten.

  2. Liebe „Bild“-Zeitung! „Kugelrund sind diese Bäuche und die Frauen voller Freude, denn sie sind“ – na klar – „schwarz-rot-schwanger“, brachten sie uns in puncto Pflichterfüllung für das Vaterland auf den neuesten Stand.
    [hxxp://www.bild.de/BILD/news/leserreporter/themen/buehnen/em2008/europameisterschaft-2008.html]
    http://www.lizaswelt.net/search?q=mies+gemacht

  3. 4 urs

    aus dem polizeibericht:
    PD/LSA-Süd. In Halle feierten ca. 2.500 Fans nach dem Spiel vor allem im Innenstadtbereich mit Autokorso (ca. 70 Fahrzeuge), Festgesängen und Böllern bis nach 04.00 Uhr.
    Es gab mehrere Fälle von Körperverletzung, Landfriedensbruch und Sachbeschädigung. Neun Polizeibeamte wurden verletzt.
    Teilweise kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt (Uni-, Moritzburgring und angrenzende Straßen sowie Magistrale). Die Stadtreinigung musste zahlreichen Glasbruch (Flaschen) beseitigen.

  4. 5 D.

    Ich finde den Begriff Pogrom in diesem Zusammenhang ein wenig unangebracht. Wie nennt ihr es dann, wenn es irgendwann wirklich richtige Pogrome geben sollte.
    Persönlich geht es mir so, dass ich trotz der Ausschreitungen nicht so ein mieses Gefühl habe wie 1990, als Tschland Weltmeister wurde. Damals waren die Nazihorden größer und gewalttätiger.

  5. 6 Anonymous

    wenn du feiernden deutschen am urania gesehen hast,
    dann trifft progrom schon zu,
    zieh dir n türkei trikot an, du wärst nicht heil aus dem mob rausgekommen,
    vor allem nicht wenn dir leute mit „saalefront ultras“ entgegenkommen_

  6. 7 ano

    ein Trupp von ca. 30 Deppen, mind. die Hälfte davon ohne Haare, hatte auch eine Reichsflagge dabei

  7. 8 balla

    heute war finale und ne große horde (über hundert) hools, prolls und faschos (wobei auf manche alles dreis zutrifft) haben nach der niederlage uniring/urania blockiert und nach ner weile deutschland-gegröle die polizei angegriffen und nen paar wannen gedamaged. danach mit „superdeutschland“ und auch „deutschland den deutschen“ durch die große ulrichstraße, die polizei (strategie gegen deutschland-fans natürlich deeskalation) hat sich verpisst und die haben ganz schön üble stimmung bei mir ausgelöst, wobei ich auch der einzige war, der sich von denen bedroht gefühlt hat. riesen deutschlandfahne (6 mal 3 meter) hatten sie auch dabei.

  8. 10 urs@ddp

    Vor allem in mehreren ostdeutschen Städten kam es zu Ausschreitungen und Festnahmen.
    In Berlin nahm die Polizei nach Rangeleien 65 Menschen fest. Es habe 57 Strafanzeigen wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Widerstand gegeben, teilte ein Sprecher mit. Drei Menschen seien verletzt worden. Die Zahlen seien allerdings «verschwindend gering gemessen an den vielen Leuten».
    In Bautzen blockierten laut Polizei rund 400 zum Teil vermummte Männer nach dem Abpfiff am Sonntagabend die Bundesstraße 6 und attackierten anrückende Polizisten mit Flaschen und Feuerwerkskörpern. Neun Personen wurden in Gewahrsam genommen, es gab sieben vorläufige Festnahmen. Zwei Beamte erlitten Verletzungen, zwei Einsatzwagen wurden beschädigt.
    Auch in Magdeburg lieferten sich rund 500 Randalierer gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie zündeten Müllcontainer an und beschädigten Autos. Einem Polizeisprecher zufolge wurde eine Funkwagenbesatzung direkt angegriffen. Erst nachdem einer der Beamten seine Dienstwaffe gezogen habe, hätten sich die Angreifer zurückgezogen. Acht Beamte wurden leicht verletzt.
    In Halle-Neustadt bewarfen rund 400 Männer die Polizei über mehrere Stunden mit Flaschen und Steinen. Den Angaben zufolge gab es 23 Festnahmen. 17 Polizisten erlitten leichte Verletzungen.
    In Schwerin blockierten mehrere Hundert Fußballfans nach Spielende einen zentralen Platz und unterbrachen den Straßenbahnverkehr. Rund 60 Polizisten benötigten mehrere Stunden, um die Blockade aufzulösen. Drei von ihnen wurden leicht verletzt. Es gab mehrere Festnahmen. In der Innenstadt wurden mehrere Müllcontainer in Brand gesteckt.
    In der Innenstadt von Frankfurt/Oder nahm die Polizei zwölf Personen in Gewahrsam. Beamte waren dort aus einer Gruppe von etwa 150 Menschen heraus mit Steinen und Feuerwerkskörpern attackiert worden.
    (ddp)


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