Tankstelle für die Seele

25Jun08

Im manchen Kreisen scheint diese Tage die Vorfreude über das langersehnte Fusion-Festival selbst den allgegenwärtigen Hype um die deutsche Fußballnationalmannschaft zu überflügeln. Einige Fusionisten sind dafür bekannt, dass sie sich unreflektiert mythologischem Kitsch unterwerfen und diesen weit über die Grenzen des Festivals hinaus zur Lebensattitüde machen. Die Fusion ist ein mal im Jahr Marktplatz für deren Utopien von einem Gegenentwurf der bestehenden Gesellschaft und verleitet zu Grenzverwischungen. Doch auch diese relative Offenheit ist auf dem Lärzer Flugplatz nur begrenzt wirksam – so stehen ausgemachte Nazis, selbständige Gestaltungskünstler oder Sexisten außerhalb der pseudoharmonischen Fusiongesellschaft. Dass die Fusionisten -wie noch im letzten Jahr unter dem Motto „Vier Tage Ferienkommunismus“ polemisch propagiert wurde- unter keinen Umständen aus den deutschen Verhältnissen herauskommt (zahlreiche Deutschlandfahnen zur WM2006 waren Paradebeispiel dafür), haben auch die Fusionmacher erkannt und fassen diese Illusion unter dem Stichwort „Selbsttäuschung als Überlebensstrategie“.
Alles gut? Mit Nichten! Man wird auch in diesem Jahr nicht an den unannehmlichen Begleiterscheinungen der Fusion vorbeikommen und sich am Samstag einer Horde Prollos gegenüber sehen. Bleibt zu hoffen, dass die türkische Nationalmannschaft am Mittwoch die deutsche aus der EM katapultiert, dann wäre vermutlich der deutsch-nationale Hype gebremst und somit eine Sorge weniger auf der Fusion. Ansonsten wäre der russischen Nationalelf viel Erfolg zu wünschen, damit sie am Sonntag einen Akt der Befreiung vollführen und einigen Deutschpatrioten das zeitgleiche Fusionfinale gründlich vermiesen könnten.

Aufdass die Selbsttäuschung überflüssig wird – Nie wieder Deutschland & Für den Kommunismus!

Psst: Wem der mythische Schein dann doch nicht mehr reicht, könnte bei den Freifunkern stranden – die bieten Möglichkeiten nicht nur zur virtuellen Vernetzung. In diesem Jahr sind die Freunde von Diapositiv, La Karot,  und wieder viele andere mit dabei. Damit ist die Saison der feinen Festivals eröffnet und es heißt wieder: Tanzen, bis die Polizei kommt!



One Response to “Tankstelle für die Seele”

  1. 1 B12

    „Der deutsche Sonderweg im Fußball und die Intimisierung der Nation.“ Das ist der Titel einer Veranstaltung am kommenden Freitag in Leipzig. Ausgangspunkt dieser ist, dasz ja während der aktuellen Fußball-Europameisterschaft der Männer sich die Landsleute einmal mehr um gute Laune aus nationaler Verpflichtung mühen. Alles soll wieder werden wie 2006, als mit teutonischem Furor deutsche Lockerheit inszeniert wurde. Deutschland geil zu finden, erscheint inzwischen als der ultimative Ausdruck postnazistischen Nationalbewusstseins In einem Atemzug wird der Ausgang eines Elfmeterschießens mit dem Leben nach Auschwitz abgehandelt: »Trotz unserer Vergangenheit«, so die stereotype Leier, könne man, dank 23 mäßig begabter Kicker, »endlich wieder« »stolz auf Deutschland« sein. So verwandelt sich jede schwarz-rot-goldene Lappen wedelnde Fanfestmasse zwanghaft in einen kollektiven Gesamtwalser. Wehe also den ewigen Miesmachern und »Bedenkenträgern« (Kicker), die uns den Spaß verderbern wollen. Grund also, sich jenem deutschen Sonderweg im Fußball näher zu widmen, welcher von den völkischen Reinheitsvorstellungen des Deutschen Fußballbunds bis zu Sönke Wortmanns Traum von einem rot-grünen »Wunder von Bern« führt. Genau darum soll es gehen. Am kommenden Freitag.
    19:00 Uhr. In Leipzig. Im B12 Bei der Veranstaltung „Der deutsche Sonderweg im Fußball und die Intimisierung der Nation.“

    http://left-action.de/b12/


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