»Die Natur muss weg«

02Apr08

An dieser Stelle ein Hinweis auf die aktuelle Ausgabe der Phase 2.

Aus der Einleitung:

„Über dreißig Jahre ist es jetzt her, dass der Club of Rome seinen Bericht über die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen und seine daraus folgenden Prognosen vorstellte und damit die kapitalistische Welt schockte. In den achtziger Jahren folgten weitere Endzeitszenarien wie Waldsterben, fischlose Meere, Wassermangel und Ölkriege. In Anschluss an die Tschernobyl-Katastrophe wurden zahllose Schulkinder mit Büchern über nukleare Katastrophen traumatisiert.

Einige der Endzeitszenarien sind inzwischen eingetreten, und bei den Debatten um »Klimawandel«, »Nachhaltigkeit« und »Umweltschutz« ist kein Ende abzusehen. Die Vorzeichen scheinen sich jedoch ebenso verändert zu haben wie die gesellschaftliche Verortung derjenigen, die die Debatte führen …

Vor allem ist das Bild der Mahnenden nicht mehr von alternativ-ökologiebewegten BirkenstocksandalenträgerInnen geprägt. Die ProtagonistInnen der Debatte sind viel mehr arrivierte WissenschaftlerInnen, die Gehör quer durch alle politischen Parteien finden und die eines allzu romantischen Naturverständnisses eher unverdächtig erscheinen. Die Rettung der Welt vor den Menschen für die Menschen ist Chefsache geworden. Auf dem G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm versuchten sich die versammelten Regierungschefs den Rang abzulaufen, wer denn nun der/die »grünste« sei …

Unter diesen Umständen erscheint es sinnvoll, an einer emanzipatorischen Kritik des gesellschaftlichen Naturverhältnisses zu arbeiten. Nicht etwa oder zumindest nicht nur, um die Eisberge vorm Abschmelzen zu retten, sondern um zu begreifen, welche gesellschaftlichen Verhältnisse die schmelzenden Eisberge hervorbringen und warum die meisten Vorstellungen, wie und warum diese zu retten seien, ideologisch sind.“

Dieses Unterfangen eröffnet Gerhard Scheit mit seinem Artikel zur »Rettung der Natur und Verdrängung des Souveräns«, in dem er den Naturverhältnis-Begriff der Kritischen Theorie untersucht.

Felix Fiedler unternimmt in seinem darauffolgenden Artikel den Versuch, die Definition des Menschen als gesellschaftliches Wesen in der Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Diskursen auf den Punkt zu bringen. 

Einer spezifisch deutschen Form der menschlichen Befindlichkeit über Natur wenden sich Ole Frahm und Friedrich Tietjchen in »Die zweite Chance« zu. Hier zeichnen sie die Geschichte des Dualen Systems Deutschland (»Grüner Punkt«) nach. Dabei zerlegen sie nicht nur die Idee des Recyclings ideologiekritisch, sondern zeigen auch, wie der Aufruf zur Mülltrennung letztlich die Einbindung der Bevölkerung in ein wirtschaftliches Modernisierungsprojekt unter Ausbeutung unbezahlter Arbeit darstellt.

In »Wir müssen etwas gegen das Klima tun« befasst sich die Phase 2 Berlin mit einem weiteren Grundbegriff der moralisch-ökologischen Anrufung: der »Nachhaltigen Entwicklung«. Im Endeffekt, so der Artikel, erweisen sich nachhaltige Entwicklungskonzepte als Einsätze in weltweiten Verteilungskonflikten.

Darum, dass eine ökologische Modernisierung keinerlei Bruch mit der kapitalistischen Konkurrenz- und Wachstumslogik darstellt, geht es auch in Hans Hansens Artikel. In »Das gesellschaftliche Naturverhältnis im Klimawandel« plädiert er dafür, mehr oder weniger wissenschaftliche Katastrophenszenarien mit Vorsicht zu genießen und sich in keinem Fall auf die Fantasie des bevorstehenden ökologischen Zusammenbruchs einzulassen.

Mit »Physik und Metaphysik« kehrt dieser Schwerpunkt der Phase 2 schließlich wieder zu der Frage zurück, wie Natur als das andere des Menschen hervortritt. In knappen Strichen zeichnet Roger Behrens hier die Herausbildung eines modernen Naturbegriffs nach, um schließlich zu erörtern, wie Marxismus und kritische Theorie die Möglichkeit einer Versöhnung mit der Natur als utopischen Horizont einsetzen…

Frank Engster untersucht in seinem Artikel »Naturbeherrschung?« die wissenschaftlichen Erkenntnistechniken, die Natur als Natur und damit als Anderes des Subjekts hervorbringen. 

Auf einen pragmatischeren, erfahrungsorientierten Naturbegriff bezieht sich dagegen Antonia Schmid in ihrem Artikel »Signifikante Andersheit als Paradigma«. Mit Bezug auf die feministische Philosophin Donna Haraway versucht sie, einen Begriff der grundlegenden menschlichen Verbindung zum Nicht-Menschlichen herauszuarbeiten, der sich zugleich jedem Relativismus versagt und eine Kritik an Tierrechtsbewegung und anthropomorpher Verdinglichung der Natur ermöglicht…

Fazit: einmal mehr lohnt der Kauf der Phase 2, jener Zeitschrift, die sich selbst als Magazin für die linksradikale Bewegung versteht. 
Deshalb: Bestellungen bitte an phase-2-vertrieb@web.de



3 Responses to “»Die Natur muss weg«”

  1. oh klingt echt nach ner interessanten Ausgabe. danke für den Tipp.
    das „Bewegung“ stammt aber noch aus dem Jahre 2001, nech? ;-)

  2. 2 futurzwei

    klar. kurz nach göttingen.

  3. 3 futurzwei

    wobei das cover der aktuellen ausgabe die „linksradikale bewegung“ immer noch mit sich rum trägt.


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