Nazikonzert am Osterwochenende in der Tanzbar Palette / Halle

20Mrz08

Uwe Nolte – ein neuheidnischer Volksmusiker, Neofolk-Konzertveranstalter, Tanzbar-Security und Fulltime-Nazi buhlt um die Gunst der rechtsextremen Dorf-Knilche Mitteldeutschlands. Ein dementer Provinz-Idiot wie soviele andere, der seine armselige Nazi-Karriere maßgeblich einer bedeutungslosen Eso-Szene zu verdanken hat – möchte man meinen. Doch Nolte lebt nicht nur von der brachialen Dummheit der Neofolk-Deppen, er gibt ihnen auch regelmäßig etwas zurück. An diesem diesem Osterwochenende holt er den Rechtsrocker Tony Wakeford (Death in June, Above the Ruins, Sol Invictus u.a.) – und damit ein Idol der Neurechten Musikkultur – auf die Provinzbühne.

Im Folgenden dokumentieren wir eine Presseerklärung der studentischen Initiativgruppe an der Uni Halle „Turn it down! Halle“:

Initiative „Turn it down! Halle“
Initiative von Studenten der Martin-Luther-Universität Halle
turndown.halle@gmail.com

Fraktionen im Stadtrat der Stadt Halle,
ausgewählte Vereine der Stadt und
ausgewählte Zeitungsredaktionen

Nazikonzert am Osterwochenende in der Tanzbar Palette angekündigt.
Die Stadt Halle darf kein Forum für Rechtsextremisten bieten.

Am Ostersonntag soll in der Tanzbar Palette (Halle/Saale) zum wiederholten Mal ein rechtes Dark-Wave Konzert stattfinden. Für den 23. März 2008 ist ein Konzert mit den beiden Bands „Sol Invictus“ und „Deutsch Nepal“ angekündigt. Beide Bands sind bekannte Größen in der rechten Neofolk-Szene. Bereits 2005, bei ihrer letzten Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, gab es massive Proteste gegen die Band „Sol Invivctus“. Die Konzerte in Darmstadt (21.01.), Wien (25.01.), Zürich (29.01.) sowie Berlin (25.02.) wurden aufgrund der verschiedensten Interventionen abgesagt.
Wie die vergangenen rechten Dark-Wave-Konzerte in der Palette wird auch dieses von Uwe Nolte organisiert. Die persönlichen Kontakte zu den Betreibern der Tanzbar Palette und seine Tätigkeit als Security in der Palette ermöglichten ihm in der Vergangenheit die reibungslose Durchführung dieser Veranstaltungen. Sollte der Auftritt von „Sol Invictus“ und „Deutsch Nepal“ nicht abgesagt werden, wird billigend in Kauf genommen, dass rechtsextreme Positionen unter dem Deckmantel der Kunst salonfähig gemacht werden. Dass dies den Trägern rechtsextremer Ideologien enormen Zulauf verschafft, sollte man mittlerweile auch in Halle begriffen haben.

Neofolk-Bands wie „Sol Invictus“ nutzen die Gothic-Szene für Verbreitung von Nazi-Codes

Die rechte Szene hat sich in den letzten Jahren diversifiziert und ist nicht mehr an einem einheitlichen Musikgeschmack oder Kleidungsstil zu erkennen. Umgekehrt wird auch in der heutigen Neofolk- und Gothic-Szene häufig unreflektiert und vermeintlich unpolitisch auf rechte Symboliken und Ideologien referiert, die das eigene elitäre Selbstbild stützen. Vielen Vertretern dieser Subkultur wäre offene Nazipropaganda zu vulgär. Deshalb ist es gerade der dandyhafte, betont „unpolitische“ und schöngeistige Anspruch von „Sol Invictus“, der es Wakeford (dem einzig beständigen Bandmitglied) ermöglicht, „seine Botschaft eines ‚weißen Nationalismus’ bei Zuhörern anzubringen, die man mit offen zur Schau getragenem Nazismus nicht erreicht“ (übersetzt nach www.stewarthomesociety.org/wakeford.html).
Wakeford bekennt sich also aus taktischen Gründen nicht offen zum Faschismus, aber in seiner Verwendung faschistischer Symbole lässt sich auch keinerlei Kritik erkennen, vielmehr werden diese Zeichen ästhetisch überhöht. Auf dem Umweg über eine ästhetische Faszination wird der Weg für die hinter den Symbolen stehende Denkweise bereitet. Jedes Konzert einer Band wie „Sol Invictus“ mit ihrem Bezug auf Julius Evola und seine „Verherrlichung einer angeblich heroischen, aristokratischen, maskulinen und sonnenzentrierten Tradition einer überlegegen Rasse – Evolas persönliche Variante des arischen Mythos“ (www.trend.infopartisan.net/trd1298/t351298.html) – trägt dazu bei, die öffentliche Zurschaustellung faschistischer Codes zu enttabuisieren und alltäglich zu machen – für uns Grund genug, derartigen Bands keine Auftrittsmöglichkeiten zu bieten.

Tony Wakeford – der Star der Neuen Rechten

Die englische Neo-Folkband „Sol Invictus“ wurde 1987 von Tony Wakeford gegründet. Tony Wakeford ist eine zentrale Persönlichkeit der Neuen Rechten. Große Öffentlichkeit erreichte er mit der von ihm zusammen mit Douglas Pearce begründeten Band „Death in June“, dessen Name sich auf den Röhmputsch bezieht. In Interviews stellten Wakeford und Pearce mehrfach positive Bezüge zum Nationalsolzialismus her. Darüber hinaus präsentiert sich die Band in totalitärer und nationalsozialistischer Ästhetik, so bildet das offizielle Symbol für „Death in June“ einen modifizierten SS-Totenkopf ab. „Death in June“ war, nicht zuletzt durch Wakefords Einfluss, maßgeblich an der Entwicklung des nazistischen Neo-Folks beteiligt. 1984 musste Wakeford auf Druck von Douglas Pearce „Death in June“ verlassen, nachdem seine aktive Mitgliedschaft bei der rechtsextremen Formation „National Front“ in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Daraufhin gründete er zusammen mit dem Bassisten der Naziband „Skrewdriver” das Projekt „Above the Ruins” und veröffentlichte ein Album auf dem Rechtsrock-Label „Rock O`Rama”, welches laut Bundesamt für Verfassungsschutz in den 1990er Jahren als europaweit größter Hersteller und Vertrieb rechtsextremistischer Musik galt. 1986 beteiligte sich Wakeford mit diesem Projekt an dem Sampler „No Surrender!“, auf dem u.a. auch die White Power-Bands „Skrewdriver“ und „No Remorse“ erschienen.

Faschistische Bezüge bei „Sol Invictus“

Sowohl der Bandname „Sol Invictus“ als auch der Titel des ersten Albums „Against the Modern World“ stellen Bezüge zu dem italienischen Philosophen Julius Evola her, der als einer ihrer rassistischen Vordenker enge Kontakte zur faschistischen Bewegung Benito Mussolinis unterhielt und auch kurzzeitig für die nationalsozialistische „Forschungs-gemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“ tätig war. Bandname und Albumtitel nehmen Bezug auf Evolas Werk „Revolte gegen die moderne Welt“ (1934) und die von ihm häufig verwendete Metapher der „unbesiegten Sonne“. Als Vertreter eines konsequenten Antimodernismus plädiert Evola für einen autokratisch geführten Staat und ein übergreifendes „Germanien“, geführt von einer historisch-geistigen Elite. Demokratie und Gleichheitsgedanken waren ihm zuwider: Für Evola „ist jede Demokratie in ihrem eigenem Prinzip eine Schule der Immoralität, eine Beleidigung der Würde und der inneren Haltung.“ (Dornbusch, Christian/ Raabe, Jan (Hrsg.): Rechts-Rock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien. Münster 2002, S. 289f). Das Gedankengebäude von Evola, der auch nicht davor zurückschreckte, ein Vorwort für die berüchtigte antisemitische Fälschung „Die Protokolle der Weisen von Zion“ zu schreiben, zeigte dabei durchaus praktische Wirkung: „Nach der Einführung der italienischen Rassegesetze 1938 wurde Evolas ‚geistiger Rassismus’ […] als offizielle Doktrin des italienischen Faschismus verbreitet“ (www.trend.infopartisan.net/trd1298/t351298.html), und nach dem Zweiten Weltkrieg inspirierten seine Thesen mehrere blutige Terroranschläge italienischer Faschisten. Heutzutage genießt Evola auch in deutschen Nazikreisen wieder höchstes Ansehen. „Seine Betonung von Geist, Rasse und Ordnung paßt nahtlos zur alten SS-Weltsicht einer gestählten Elite von Rassenkriegern, für die ‚Ehre gleich Treue ist’.“ (www.trend.infopartisan.net/trd1298/t351298.html)

Deutsch Nepal, die Vorband des Abends ist in Neofolkkreisen ebenfalls bekannt und unterhält gute Kontakte zur Band “Blutharsch”, die zu den wichtigsten Vertretern der rechtsextremen Darkwave-Szene zählen. Die Kooperationen der Bands reichen von gemeinsamen Studio-Produktionen bis zu Live-Auftritten, bei denen sie sich unter Verwendung von nationalsozialistischen Symbolen (wie Eiserne Kreuze, Siegesrunen, Stahlhelme) in Szene setzen. Unter Konzertbesuchern und Fans der Bands finden sich nicht wenige Anhänger der extremen Rechten.

Organisiert wird das Konzert durch Uwe Nolte. Dieser hat in den vergangenen Jahren immer wieder am gleichen Ort Konzerte neuheidnisch inspirierter Dark-Wave Bands veranstaltet. Damit finden wiederholt Bands und Publikum des rechten Randes ihrer jeweiligen Szenen einen öffentlichen Raum in einem der bekanntesten Veranstaltungsorte der Stadt. Die Verbindung kultureller Angebote mit antidemokratischen, rassistischen und antisemitischen Inhalten ist eines der wesentlichen Elemente rechtsextremer Jugendkultur. Es ist zu erwarten, dass auch Fans der Naziband „Death in June“ den Auftritt ihres Idols Tony Wakeford sehen wollen.

Wir fordern alle städtischen Institutionen und die Parteien der Stadt Halle auf, sofort mit den Verantwortlichen in der Tanzbar Palette Kontakt aufzunehmen und die Absage der Veranstaltung zu bewirken. Indem sie öffentlich entschieden Partei ergreifen, können sie ein Zeichen gegen ein weiteres Fortschreiten von rechtem Gedankengut im Kulturbereich in der Stadt Halle setzen.

Initiative „Turn it down! Halle“

Initiative von Studenten der Martin-Luther-Universität Halle

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4 Responses to “Nazikonzert am Osterwochenende in der Tanzbar Palette / Halle”

  1. 1 prtn

    against the modern world. punk, industrial & neofolk. 2003

    eine frage welche mich seit langer zeit beschäftigt ist die, was es mit neofolk und den vorwürfen des rechtsextremismus auf sich hat. zu einer endgültigen klarheit bin ich dabei bis jetzt noch nicht gekommen, wobei wiederum die frage auftaucht, ob das überhaupt möglich ist. aber einiges ist mir mitlerweile schon klarer geworden.

    die ursprünge des neofolks liegen im punk und im industrial. im industrial wurde die provozierende haltung des punk auf noch extremere und symbolischere weise ausgedrückt. extreme musik und extreme bilder wurden eingesetzt um eine sckockierende und provozierende wirkung zu erzielen.

    dabei wurden oft tabuisierte bilder und themen eingesetzt, wie tod, rohe gewalt, links- und rechtsradikale symbole, welche kommentarlos verwendet wurden. der dahinterstehende sinn war es, auf die abgründe und schattenseiten der gesellschaft aufmerksam zu machen. gewollter tabubruch und irritation war dafür ein bewußt eingesetztes mittel. oft wurde zu diesem zweck auch totalitäre symbolik eingesetzt. das tragen von uniformen beispielsweise symbolisierte die gesellschaftliche konformität und kritisierte sie damit radikal. form und inhalt sind hier einander entgegengesetzt. die pioniere dieses konzeptes waren THROBBING GRISTLE, SPK, CABARET VOLTAIRE, BOYD RICE, CLOCK DVA, PSYCHIC TV & WHITEHOUSE. ähnliche mittel setzten aber beispielsweise auch JOY DIVISION, vor allem in ihrer anfangszeit ein. später wurde die slowenische band LAIBACH mit ihrer version des industrial-konzepts relativ bekannt. eine auf medienwirkung und kommerziellen erfolg ausgerichtete, oberflächliche und glatt designte und im prinzip leicht zu durchschauende variante dieses konzepts hat in den letzten jahren die band RAMMSTEIN dargeboten.

    dieser hintergrund liegt auch zumindest dem ursprung des neofolk zugrunde. david tibet war vor der gründung von CURRENT 93 in der industrial-band 23 SKIDOO und douglas pearce (DEATH IN JUNE) und tony wakeford (SOL INVICTUS) hatten gemeisam die punkband CRISIS. mit dem vorher beschriebenen hintergrund kann die verwendung totalitärer symbolik und tabuverletzender texte sowie ein irritierendes auftreten dieser bands als symbolische gesellschaftskritik verstanden werden. sowohl bei DEATH IN JUNE, besonders aber bei CURRENT 93 und SOL INVICTUS oder auch FIRE & ICE hat sich der schwerpunkt der aussagen von diesem ausgangspunkt in eine eher spirituelle und antimodernistische richtung entwickelt.

    genau hier setzt die problematik rechtsgerichteter ideologie ein.

    es steht außer frage, dass die moderne gesellschaft eine vielzahl untragbarer zustände mit sich gebracht hat. es ergibt sich daraufhin die frage, wohin es nun gehen soll. entscheidend ist hierbei vor allem, ob ein emanzipatorischer ansatz vertreten wird oder ein ansatz, der auf autoritären strukturen aufbaut.

    einige der vorher genannten, sowie ein teil der neueren generation von neofolk bands wie CAMERATA MEDIOLANENSE, SCIVIAS, ORPLID, DARKWOOD, BELBORN, KIRLIAN CAMERA und BLOOD AXIS betrachten sich als konservative avantgarde. sie stellen sich in die tradition von vertretern der sogenannten konservativen revolution der weimarer republik wie ernst jünger und ernst niekisch sowie des italienischen philosophen julius evola und der eisernen garde rumäniens der dreissiger jahre. dieser konservativ-revolutionäre oder auch national-revolutionäre ansatz, welcher auch in der neuen rechten eine bedeutende rolle spielt, steht für mehr oder weniger elitäre, hierarchische und autoritäre vorstellungen. werden solche ideologien ernsthaft vertreten, wird damit der kontext des industrials verlassen, und dessen ursprüngliche intentionen ins gegenteil verkehrt. form und inhalt sind nicht mehr voneiander zu trennen. die beschränkung auf eine unpolitische, rein künstlerische position, welche in diesen zusammenhängen teilweise angeführt wird, ist eine nicht haltbare behauptung. sowohl ästhetisch als auch textlich werden in jeden fall bestimmte aussagen getroffen und inhalte vermittelt, welche nicht ausserhalb kultureller, gesellschaftlicher und politischer zusammenhänge stehen.

    kritik an der moderne und die rückbesinnung auf vormoderne traditionen führt natürlich nicht zwangsläufig dazu konservativ-revolutionäre bzw national-revolutionäre ideen zu vertreten. dies kann durchaus auch mit emanzipatorischen intentionen geschehen. es bleibt im ganzen eine äußerst widersprüchliche sache, die aber für viele eher emanzipatorisch orientierte menschen große faszination hat.

  2. 2 micha

    unfassbar, dieser artikel trieft nur so vor schwachsinn. deutsch nepal und rechts? ach herrje… es wird zwar in keinem einzigen satz direkt geschrieben aber dem unwissenden leser wird dies suggeriert. und überhaupt die ganze neofolkszene rechts zu nennen ist mal sowas von daneben. bands wie zb stormfagal haben sich ausdrücklich von rechts auf ihrer internetseite distanziert um nur einbeispiel zu nennen. ich weiss schon warum ich die linke szene vor einigen jahren verlassen habe und sie inzwischen auf die selbe stufe mit der rechten stelle.. der selbe elitäre unfug

  3. 3 none

    Sol Invictus hat mit Evola nix zu tun, was soll der Quark?

  4. Wie wenig Sol Invictus mit dem Vordenker des italienischen Faschismus – Evola zu tun haben läßt sich am Besten anhand der Äußerung des Bandmitglieds Tony Wakeford zeigen. Seine Thesen waren antimodern und antidemokratisch und plädierten für einen von Eliten geführten autoritären Massenstaat. Ein ähnliches Weltbild bedient Wakeford, wenn er in einem Interview mit der ehemaligen „Junge Freiheit“-Autorin Gerlinde Gronow sagt,
    „Die Leute scheinen größtenteils wertlos zu sein“ und im folgenden sagt, dass sich Menschen aus der Masse abheben müssen, um zur Avantgarde dieser zu werden (Scharlach Nr. 2).



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