Naziauflauf im leipziger Abseits

13Jan08
stop thor steinar Am gestrigen Samstag dem 12. Januar demonstrierten etwa 350 Nazis aus dem Spektrum der „Freien Kräfte“ im Leipziger Osten. Antifa-Gegenkundgebungen und eine Demo brachten zwischen 400 und 600 Menschen auf die Straße. Die Nazi-Demo verlief ohne größere Zwischenfälle, bei dem martialischen Polizeiaufgebot nicht verwunderlich.

Die Freude bei den Leipziger Nazis und den „Freien Netz“-Fachos ist nun groß, haben sie erstmalig seit Jahren aus eigener Kraft eine größere Demo organisiert bekommen. Die Demo war Höhepunkt mehrerer Aktionen: Seit Monaten werden immer wieder Flugblätter verteilt und es gab um den Jahreswechsel mehrere Graffitti-Aktionen von antisemitischen Sprüchen und NS-Losungen im Leipziger Zentrum, der Dieskaustraße im Nordwesten und dem Leipziger Osten; sowie verstärkte Überfälle auf vermeintliche Linke. Bei all der Euphorie, den die Nazis auf verschiedenen Webseiten nach dieser in ihren Augen erfolgreichen Leipzig-Demo verbreiten, müssen dennoch einige Punkte beachtet werden:

1) Diese Nazidemo war für die Leipziger zahlenmäßig nur ein „Erfolg“, weil sie den Großteil der Teilnehmer von außerhalb rangekarrt hatten. Diese Feststellung soll das Nazi-Problem in Leipzig keinesfalls verharmlosen. Es muss aber festgehalten werden, dass die Leipziger Nasen aktuell (noch?) über sehr wenig Fußvolk verfügen, um eine eigene Demo durchzuführen. Der Aufmarsch zeigt aber deutlich, dass die Leipziger Nazis sich gut in regionale Strukturen eingefügt haben. Ihr Boykott der letzten Worch-Demo im Sommer 2007 hat sie jedoch innerhalb der bundesweiten Nazi-Szene isoliert, da viele dies als Verrat ansahen.

2) Diese Demo war für die Nazis nur durchführbar, weil sie von einem massiven Polizeiaufgebot geschützt wurden und in einem weiträumig abgesperrten Stadtteil ungestört laufen konnten. Darüber hinaus fehlte es dem antifaschistischen Protest – nicht zuletzt aufgrund der martialisch auftretenden Polizei an Entschlossenheit. Wieder einmal zeigte sich, dass in erster Linie die Strategie der Polizei es bestimmt, ob eine Nazidemo behindert werden kann (darf) oder nicht.

Die Leipziger Stadtverwaltung zeigt an der gestrigen Nazidemo wieder einmal ihre Rückradlosigkeit. Wenn Nazis im Blickfeld von Konsumenten und Touristen in Innenstadtnähe demonstrieren, regt sich plakativer zivilgesellschaftlicher Protest. Dieser war gestern zu Hause geblieben, obgleich er in einem Problembezirk wie dem Leipziger Osten umso wichtiger gewesen wäre. Ordnungsbürgermeister Rosenthal (Die Linke) wollte ursprünglich die Nazis im Stillen laufen lassen, um jegliche Proteste zu unterbinden. Darüber hinaus zeigte er seine völlige politische Inkompetenz, indem er die Nazis eine Zwischenkundgebung an einem Wohnhaus abhalten lies, welches Wochen zuvor von genau denselben Nazis angegriffen worden ist. Die Polizei war sich hierbei nicht zu blöd, diesem Wohnhaus vorübergehend den Strom abzustellen, weil aus den Fenstern laute Musik gegen die Nazikundgebung abgespielt wurde.

P.S.: Es ist üblich und auch erwünscht, solche Artikel zu kommentieren und zu ergänzen. Bitte unterlasst hierbei das Geschichten erzählen von Antifaaktionen und anderen Diskussionen, die intern und nicht öffentlich geführt werden müssen. Wen das Naziproblem so anstinkt, dass er sich artikulieren möchte, dem sei außerdem empfohlen selbst aktiv zu werden und nicht bei Indymedia über die „Leipziger Antifa“ abzuheulen, denn diese ist kein Dienstleistungsunternehmen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Quelle: indymedia


One Response to “Naziauflauf im leipziger Abseits”

  1. RadioCorax hat einen Beitrag zu den Ereignissen um den Naziaufmarsch gebracht. Dieser kann hier gehört werden: http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=20583


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