Kick da Shit!

12Sep07

Der Harz ist wahrlich kein schönes Reiseziel, in diesem ruralen Provinzbrocken spiegelt sich die kalte Realität des postnazistischen Deutschlands -dem Land der Vernichtungsweltmeister- wider.
1943 wurde im Harz das Konzentrationslager Dora als Außenstelle des KZ Buchenwald errichtet und in der Folgezeit zum KZ Mittelbau – einer der wichtigsten Rüstungsproduktionsstätten der Nationalsozialisten – ausgebaut. Der Lagerkomplex erstreckte sich über die gesamte Harzregion.

Anfang 1945 schufteten hier rund 35.000 Häftlinge; jetzt kamen – direkt aus Auschwitz und wenig später aus Groß-Rosen – weitere 15.000 Menschen dazu. Sie waren, nach den endlosen Märschen, nach Tagen in eiskalten Waggons ohne jede Verpflegung, in einem erbärmlichen Zustand. Als bei der Ankunft der ersten Züge Ende Januar auf der Bahnhofsrampe des Hauptlagers Dora und auf dem Bahnhof in Nordhausen die Türen geöffnet wurden, befanden sich in manchen Waggons nur noch steif gefrorene tote und sterbende Menschen.
[…]
»War Auschwitz die heiße Hölle gewesen, so war Dora die kalte Hölle«, schrieb der langjährige Vorsitzende des internationalen Auschwitz-Komitees Hans Frankenthal kurz vor seinem Tod im Jahr 1999.
[…]
Zur topografischen Entgrenzung des KZ-Systems kam die gesellschaftliche: Immer mehr Menschen verschwanden unter ständig neuen Vorwänden in den Lagern, und auch das Rekrutierungsfeld der Täter wurde sukzessive ausgeweitet. Etwa zwei Drittel der Wachmannschaften in Mittelbau stammten nicht aus den Reihen der SS, sondern waren Luftwaffensoldaten. Auch Polizeieinheiten und Zivilangestellte von Rüstungsfirmen wurden zur Bewachung herangezogen. Am Ende hatte das KZ-System des »Dritten Reiches« fast jeden erreicht: entweder als Opfer, als (Mit-)Täter oder als Zuschauer.
[…]
Von Januar bis April 1945 starben durch Terror, Erschöpfung und Krankheiten 6.000 Häftlinge in den Mittelbau-Lagern. Im selben Zeitraum wurden in den Stollen mindestens 1.700 V2-Raketen und über 6.000 V1-Flügelbomben montiert, Terrorwaffen, denen in London und Antwerpen noch Tausende zum Opfer fielen.

Quelle: Jens-Christian Wagner: Auschwitz im Harz, In: DIE ZEIT 20.01.2005 Nr.4.

Am 15.9.2007 demonstrieren Neonazis in Quedlinburg, wenige vernünftige Harzbewohner haben sich zu einem Gegenbündnis zusammengeschlossen und rufen auf, dem barbarischen Mob entgegenzutreten. Die Einladung ist hier nachzulesen und soll zu einem Fitness-Ausflug ins provinzielle Herz der deutschen Bestie ermuntern.

weitere Infos, Updates, Mobi-Material unter querstellen.blogsport.de

zur (unvollständigen) Chronik rechtsradikaler Übergriffe in Quedlinburg

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