Der Prophet des schlechten Lebens.
Über Gandhi und die Bedürfnisse seiner deutschen Anhänger
Melanchthonianum – Universitätsplatz, Halle
Mi. 30.01.2008, 19.00 Uhr
veranstaltet von der ag antifa im stura der uni halle
Am 30. Januar 1948 starb Gandhi bei einem Attentat in Delhi. Von seinen Anhängern als Mahatma (dt. „große Seele“) gefeiert, gilt der greise Friedensstifter auch 60 Jahre nach seinem Tod als fraglose moralische Autorität und wird als einer der Urväter des Pazifismus gehandelt. Mit den Schüssen des Attentäters segnete Gandhi zwar für immer das Zeitliche, seine Ideologie hingegen erlebt in jüngster Zeit nicht nur unter dem Label der No-Globals eine bemerkenswerte Renaissance.
In der Bundesrepublik ist es vor allem das zweifelhafte Verdienst der Neuen Linken, Gandhis Weltanschauung ins neue Jahrhundert gerettet zu haben. Die Tradition des von Gandhi vertretenen zivilen Ungehorsams, bei der man sich direkt auf den „Prediger der Gewaltlosigkeit“ (Oskar Lafontaine) bezieht, reicht dabei in
Deutschland von den 68er Sit-ins bis zu den 2007er Blockaden des G8-Gipfels. Doch Gandhi ist keinesfalls ausschließlich das Vorbild linker Gipfelstürmer und ihrer sozialdemokratischen Sympathisanten. Wenn die Bildzeitung eine groß angelegte Plakatkampagne mit einem Gandhi-Foto und dem Slogan „Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht!“ einleitet, lässt sich daran vor allem auch eines ablesen: In dem Maße, in dem sich die deutsche Bevölkerung in ihrer Gesamtheit zunehmend friedensbewegt und antiimperialistisch geriert, gewinnt auch Gandhis Ideologie an steigender Attraktivität.
Es ist nicht verwunderlich, dass sich auch in der Neuen Rechten immer häufiger positive Bezugnamen auf Gandhi finden lassen, und Horst Mahler beispielsweise von seinen Kameraden fordert: „Von Mahatma Gandhi lernen!“ Was die Gandhi-Freunde von rechts bis links eint, ist der Traum vom „einfachen Leben“, den auch ihr Vorbild träumte. Gandhi bietet dabei alles, was das zivilisations- feindliche Herz höher schlagen lässt. Seine Ideologie bedient die Sehnsucht nach der regressiven Wärme des Kollektivs ebenso, wie den Wunsch, sich für eben dieses Kollektiv mit dem Leben zu opfern. Sie offenbart ein organisches Gesellschaftsverständnis und bietet mehr als genügend Anknüpfungspunkte für rechte Völkerfreunde und linke Kulturrelativisten. Dass Gandhi zu keinem Zeitpunkt etwas Emanzipatorisches anhaftete – dass sein ganzes Leben und Wirken also ein konsequenter Abgesang auf Freiheit, Glück und Lust
war –, und dass es weder Zufall, noch Strategie zur Vereinnahmung linker Ideen ist, wenn sich auch Nazis positiv auf ihn beziehen, soll der Vortrag erläutern.
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60 Jahre Mord an einem Visionär: Gandhi zwischen links und rechts
http://www.roteswinterhude.de/gandhi.htm
des Referenten zum Thema:
http://www.materialien-kritik.de/archiv/Mahatmas%20Moral.htm